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Frank Maruccia – Selbstbestimmung und Visionen

Frank Maruccia – Selbstbestimmung und Visionen
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„Man muss schon einen kleinen Dachschaden haben, um Wein zu machen“, ist sich Frank Maruccia sicher. Ein Satz, der zeigt: Der mallorquinische Winzer ist einer, der Dinge ehrlich beim Namen nennt. Genau diese Stringenz spiegelt sich auch in seinen Weinen wieder. Sie sind ehrlich, vollmundig und perfekt ausbalanciert.

Er hat es getan. Das, wovon viele immer nur träumen. Es sich wünschen – und doch nichts verändern. Frank Maruccia ist dem Hamsterrad entflohen. Seit 2011 baut der ehemalige Unternehmer und Schreibtischtäter auf seiner gleichnamigen Bodega im mallorquinischen Llucmajor Wein an – und realisierte damit einen Lebenstraum. Dabei ging es dem vinophilen Autodidakten nicht nur um die Erfüllung seiner Vision vom perfekten Wein, sondern auch um ein Leben in Selbstbestimmung.

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Frank Maruccia folgt seiner eigenen Vision, seinem eigenen Weg „auch wenn mich viele – zumindest anfänglich – für einen Spinner gehalten haben“, lacht er und zuckt gleichgültig mit den Schultern. Auch davon hat er sich längst befreit: „Die Meinungen anderer dürfen einem wichtig sein, aber einen nie behindern.“

Alles einfach, aber anders

Franc Maruccia bei der Arbeit
Franc Maruccia bei der Arbeit

Ein bisschen verschlafen wirkt der Ort im Süden der Insel, die Gassen sind verwinkelt und still. Abgelegen vom Zentrum, mit Blick auf die Ausläufer des Tramuntana-Gebirges, reihen sich die Rebstöcke wie Zinnsoldaten aneinander. Sie sind bewusst so eng gesetzt, dass sie sich nicht ausbreiten können und gezwungen sind, ihre Wurzeln tief ins Erdreich wachsen zu lassen.

Nur so erreichen sie das kraftspendende Grundwasser. Denn Frank Maruccia verzichtet gänzlich auf zusätzliche Bewässerung. Eine Philosophie, die er bewusst gewählt hat, denn er will kleine, hochkonzentrierte Trauben erzeugen, aus denen er starke, eigenwillige Weine herstellt. Diese ehren wahrlich den ganz eigenen Charakter des vielbenutzen und nicht immer gelebten Ausdrucks „Terroir“.

„Es ist ein Spagat“, gibt er zu. „In Jahren wie diesem, das viel zu warm und zugleich unglaublich regenarm war, habe ich natürlich einen Ernteausfall.“ Aber die Trauben, die er gewinnt, tragen intensivste Fruchtaromen in sich.

Frank Maruccia produziert drei Rotweine aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Syrah, Merlot und dem autochthonen Callet, einen Weisswein aus Chardonnay und seit diesem Jahr auch einen Rosé. „Eigentlich wollte ich das gar nicht, aber in der brütenden Hitze des Sommers ist ein kühler Rosé im Glas bei den Insel-Gästen sehr gefragt.“

Auch wenn Frank Maruccia sich in diesem Fall dem Wunsch anderer beugt, produziert er doch ein eigenständiges Liebhaberprodukt. Er verwendet Cabernet Sauvignon – „Das macht sonst keiner auf der Insel.“ – und baut den Wein im Beton-Ei aus.

„Ich bin kein Freund von vordergründigen Holzaromen, die die Frucht übermanteln.“ Zudem geschieht die Bâtonnage mit Vollhefe. Das wiederum mache den Wein breiter und vollmundiger. „Ich wollte eine ganz neue Stilistik erreichen.“ Mission gelungen.

Wein trifft Essen – ein Dreamteam

Was den passionierten Winzer antreibt? „Ich will etwas Besonderes machen. Einfach schöne Weine produzieren, mir selbst treu belieben und meine Zeit mit Menschen verbringen, die den Genuss genauso sehr lieben wie ich.“ Aus diesem Grund trägt seine Bodega auch den Zusatz „Club de vino 953“.

Ursprünglich war damit die Idee verbunden, seinen Wein nur Rebstock-Paten zukommen zu lassen, die eine oder mehrere der 953 Rebstockreihen „adoptieren“ und somit Teil seiner Vision werden. „Damit wollte ich sicherstellen, dass meine Weine wirklich nur von Liebhabern getrunken werden, die meine Philosophie teilen.“ Noch immer kann man die Maruccia-Weine nicht im Handel kaufen.

Im Club hat Frank Maruccia heute eine kleine Anzahl Gleichgesinnter um sich versammelt, „die ich glatt auch als Freunde bezeichnen könnte“. Regelmässig lädt er zu hochkarätigen Verkostungen und Kochevents ein, zu denen sogar schon Sternekoch Juan Amador extra auf die Baleareninsel reiste. An diesen exklusiven Küchenpartys dürfen auch Nichtmitglieder teilnehmen.

Neben dem Club kann man die vinophilen Raritäten in namhaften Spitzenrestaurants auf der Insel und in Deutschland geniessen. Adressen wie das Urbano in Puerto Andratx, Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach und das Restaurant Rosin in Dorsten-Wulfen sind längst auf das aussergewöhnliche Potential der Weine aufmerksam geworden.

8.000 Flaschen Jahresproduktion – jede ein Unikat

8.000 Flaschen stellt er in Handarbeit her
8.000 Flaschen stellt er in Handarbeit her

Dabei ist Frank Maruccia wahrlich das, was man als einen Quereinsteiger bezeichnet. Ein Autodidakt, der der Devise „Learning by doing“ folgt. „Natürlich habe ich viel gelesen, mich mit Kollegen ausgetauscht und bin in andere Weinregionen gereist.“ Dieses angeeignete Wissen paart er mit Talent, Leidenschaft und Gespür.

„Vieles erscheint mir einfach logisch und dann probiere ich es aus“, meint er mit einem verschmitzten Grinsen. Der Erfolg gibt ihm Recht. Dabei ist seine Liebe zu den perfekt vergorenen Trauben kein Zufall, denn bereits mit elf Jahren half er in den Weinbergen seiner in Stuttgart ansässigen Familie. „Vom Einpflanzen der Reben bis zum Etikettieren der Flaschen habe ich alles gemacht“, erinnert er sich an seine Kindheitstage zurück.

Geändert hat sich nicht viel, denn auch heute kümmert er sich um jeden einzelnen Schritt der Weinherstellung. Ein Ein-Mann-Betrieb mit gelegentlichem Anhang – könnte man sagen. „Bei mir ist alles Handarbeit“, stellt er stolz klar. Von der Rebarbeit über die Ernte bis hin zum Pressen der Weine.

„Naja, da kommen dann die Füsse ins Spiel“, lacht er auf, denn den Trauben wird nach alter Tradition der begehrte Saft entlockt. „Die Bitterstoffe der Weine sind in den Kernen. Durch das schonende Treten mit den Füssen werden die Weine weicher.“

Auch während der Gärung ist er stets präsent und drückt den Maischekuchen alle fünf bis sechs Stunden selbst herunter. Das geht dann soweit, dass Frank Maruccia sich sogar nachts den Wecker stellt. „Dann watschle ich im Schlafanzug in den Weinkeller und kümmere mich um meinen Wein“, verrät er sein nächtliches Kellerritual nach der Ernte.

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Bei so viel Hegen und Pflegen ist es wahrlich kein Wunder, dass seine Weine „nicht ganz schlecht sind“, wie Frank Maruccia gerne bescheiden sagt. Doch tiefstapeln muss er bei seinem Erfolg längst nicht mehr, denn der Name Maruccia ist nicht nur auf der Baleareninsel Mallorca längst kein Geheimtipp mehr – sondern ein Synonym für ausserordentliche Weine, die konsequent sind und einfach gut schmecken.

Weitere Informationen unter: www.maruccia.com

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