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Flüssige Rendite – Wein als Kapitalanlage, Teil 4

Flüssige Rendite – Wein als Kapitalanlage, Teil 4
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Der Keller ist überfüllt, man zieht um und hat nicht mehr so viel Platz oder man will nun endlich sein Weininvestment vergolden. Wo aber verkauft man seine Weine am besten und wie sollte man sie bis dahin aufbewahren?

Mit Wein ist es fast wie mit Aktien. Wer zum richtigen Zeitpunkt verkauft, kann ordentliche Gewinne realisieren. Aber im Gegensatz zu Wertpapieren muss man ausserdem auch auf den richtigen Ort der Auktion setzen. Und auf seriöse Partner. Zu den wichtigsten Auktionshäusern zählen Christie’s, Sotheby’s und mittlerweile auch Artcurial, deren Weinabteilungen jeweils mit Millionenumsätzen glänzen. Doch daneben gibt es noch sehr viele kleinere Häuser in so ziemlich allen Ländern der Welt, die seit Jahren oder Jahrzehnten seriöse Auktionen veranstalten.

Die wichtigsten Auktionshäuser auf einen Blick

Nun macht es wenig Sinn, einen Wein von einem eher unbekannten Erzeuger bei den grossen Stars der Auktionsszene anzustellen. Sofern diese den Wein überhaupt in ihre Angebotsliste aufnehmen. Wer solche Flaschen dennoch unbedingt loswerden will, sollte sich dafür Auktionen aussuchen, die im selben Land stattfinden, in dem der Winzer ansässig ist. Denn dort wird man noch am ehesten Weinkäufer finden, denen dieser Name geläufig ist oder die bereit sind, auch für einen weniger bekannten heimischen Tropfen Geld auszugeben.

Der richtige Zeitpunkt

Wer auf die Schnelle seinen Weinkeller leeren will, muss schon viel Glück haben, um wirkliche Wertzuwächse zu realisieren. Denn wie beim Kauf der Weine ist auch beim Verkauf eine gewisse Strategie sinnvoll. Wann der ideale Zeitpunkt mit den besten Erlösen gekommen ist, kann man zwar wie beim Aktienverkauf nie wirklich genau wissen, aber man kann sich zumindest an den aktuellen Marktgeschehnissen orientieren.

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Wer grosse Weine renommierter Erzeuger, also eine Art Blue Chips, veräussern möchte, kann sich etwa an der Website liv-ex.com orientieren, wo die aktuellen Preisentwicklungen aufgeführt sind. Bei etwas weniger bekannten Gewächsen sollte man sich zuerst daran orientieren, ob etwa der Winzer gerade auf dem Wege zu internationalen Lorbeeren ist, die Region derzeit in der internationalen Weinpresse gefeiert wird oder die Rebsorte momentan besonders im Trend liegt.

Einen Hinweis auf zu erwartende Erlöse bieten zum Beispiel die Seiten wine-stocks.de oder wineprices.vinfolio.com. Wer hier jeweils das Weingut oder den Weinnamen eingibt, kann sich einen guten Überblick über die derzeitige Situation verschaffen. Oder man wirft einen Blick auf die Seiten der renommierten Anbieter. Allerdings sind das nur aktuelle Trends, denn wer einen Wein bei einem traditionellen Auktionshaus anstellen will, muss bis zur nächsten Veranstaltung warten und dann können die Preise, wenn man Pech hat, wieder gefallen sein, weil zum Beispiel gerade die Chinesen oder osteuropäische Oligarchen aus irgendwelchen Gründen sich beim Weinkauf zurückhalten. Es bleibt also ein Vabanquespiel, wie auch beim Aktienverkauf.

Auf was man noch achten muss

Wer es eilig hat, sollte daher in der Regel Online-Portale nutzen. Einen guten Überblick bietet die Seite weinimwww.de/auktionen.htm, in der auch Christie’s & Co aufgeführt sind.

Bevor man aber zum Hörer oder zur Tastatur greift, sollte man berücksichtigen, dass eine Anstellung in der Regel nicht kostenlos ist. Üblich sind eine Lotgebühr, die je nach Auktionshaus und Auktionsart unterschiedlich ist, eine Provisionsgebühr vom Verkaufserlös sowie Kosten für den Transport der Weine und eine Versicherungsgebühr, die sich nach dem Wert der eingereichten Weine richtet. Selbst wer dann keine einzige Flasche absetzen kann, muss zumindest für die Abholung und für die Versicherung aufkommen. Wer also plant, einen Wein aus dem Supermarktregal für 5 Euro versteigern zu lassen, macht das lieber im privaten Umfeld.

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Im Allgemeinen erwarten bei teuren Weinen die Auktionshäuser auch Dokumente, die den Weg des Weins lückenlos nachvollziehen lassen. Sonst kann es zu Abschlägen oder gar zur Ablehnung kommen. Auch muss man bei beschädigten Etiketten mit Abschlägen rechnen. Grossflaschen und ungeöffnete Holzkisten wiederum erhöhen die Chancen eines einträglichen Verkaufs.

Ebenso sollte der Wein gut aufbewahrt worden sein. Denn wenn ein Auktionator sich vor Ort von einer sachgerechten Lagerung gerade älterer Weine überzeugen will, kann das Zeigen der Abstellkammer oder Kartoffelkeller schnell zu finanziellen Einbussen führen. Wer keinen optimalen Weinkeller hat, kann hier die notwendigen Informationen lesen.

Wer nun trotz aller Unwägbarkeiten seine Weine versteigern lassen möchte, am meisten Spass bereitet natürlich der Besuch einer Auktion. Da kann man bei interessanten Angeboten spüren, wie der Adrenalinspiegel bei Anbietern wie Käufern steigt. Da kann man sich wie früher an der Börse fühlen, auch wenn es nicht so laut zugeht wie damals am alten, klassischen Börsenparkett.

Die wichtigsten Auktionshäuser auf einen Blick

Wein wird mittlerweile immer häufiger in Online-Auktionshäusern angeboten. Aber auch die regionalen Auktionshäuser, wie es in nahezu jeder grossen Stadt eines gibt, haben regelmässig Weine auf ihren Listen. Die edelsten und begehrtesten Erzeugnisse werden jedoch nach wie vor an den drei grossen Häusern verkauft.

Auktionshaus Orte Infos
Christie’s London, New York, Paris und Hongkong Bei Christie’s werden Auktionen seit 1766 durchgeführt. Heute ist das Haus in Besitz des französischen Unternehmers und Kunstsammlers François Pinault. Auch wenn Weine immer wieder auf den Versteigerungslisten der vier grossen Auktionsorte stehen, kommt Kunstobjekten die grösste Bedeutung zu. So wurde das Ölgemälde ‚Nackte, grüne Blätter und Büste‘ von Pablo Picasso im Jahre 2010 für 106,5 Mio US$ in New York verkauft.
Sotheby’s New York, London, Paris, Genf und Hongkong Im Jahre 1744 eröffnete Sotheby’s in London seine Pforten. Das Auktionshaus, das immer wieder mit interessanten Weinauktionen aufwarten kann, hat heute die Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Im Jahre 2012 wurde hier Geschichte geschrieben. Edvard Munchs ‚Der Schrei‘ wechselte für 119,9 Mio US$ den Besitzer.
Artcurial Paris, Monaco und Les Mans Als Auktionshaus versteht sich Artcurial seit dem Jahre 2002, als die ehemalige Kunstgalerie an das Unternehmen L’Oréal verkauft wurde. Seither macht das Haus mit regelmässigen Weinauktionen auf sich aufmerksam. Auch wenn regelmässig Auktionsgegenstände für Millionensummen unter den Hammer kommen, bleiben die Rekordverkaufssummen der Traditionshäuser Sotheby’s und Christie’s noch in weiter Ferne.

Über den Autor

Wolfgang Hubert ist seit über 20 Jahren als Weinjournalist, Verkoster und Autor tätig und war bis 2008 außerdem Chefredakteur des Magazins „getränke markt“. Seit Ende 2014 ist er Chefredakteur des Genussmagazins "selection".

Dazu schreibt oder schrieb er regelmässig diverse Beiträge unter anderem für WeinWisser, Vinum, Wein Gourmet, essen & trinken, sowie für renommierte Tages- und Wochenzeitungen.

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