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Elsässer Weinbau – Phoenix von der anderen Rheinseite

Elsässer Weinbau – Phoenix von der anderen Rheinseite
Copyright Wolfgang Faßbender

Der Elsässer Weinbau gilt bei vielen deutschen und Schweizer Geniessern als angestaubt. Andere Lagen liegen mehr im Trend als die Weinberge in Molsheim, Riquewihr oder Gueberschwihr. Doch mit Riesling, Traminer und Sylvaner von der westlichen Rheinseite ein für allemal abzuschließen, wäre ein Fehler: Das ökologische Bewusstsein ist hoch, junge Winzer trauen sich was, und ein gut gemachter Gewürztraminer ist nicht zu schlagen.

Sieben Rebsorten gebe es bei ihnen, erzählen die Elsässer Winzer ihren Kunden gern und liegen mit dieser Einschätzung völlig daneben. In Wirklichkeit sind es eben nicht nur Gewürztraminer und Riesling, Grau– und Weissburgunder, der aromatische Muscat und der eher neutrale Sylvaner, die sich in Gesellschaft der einzigen offiziellen roten Sorte, des Pinot noir, etabliert haben. Es gibt auch noch den Chardonnay (für Schaumwein!), den Auxerrois (läuft oft unter Pinot blanc) oder den fast vergessenen Chasselas. Sogar Kuriositäten wie den Roten Sylvaner entdeckt man als Kunde, wenn man ganz genau hinschaut und nicht immer nur das Übliche sucht.

Süße als Problem

Das Übliche lassen auch immer mehr Erzeuger hinter sich – und dies schon seit einigen Jahren. Dass man von derlei Experimenten und vom Qualitätsbewusstsein vieler Elsässer in Deutschland wenig weiß, ist bedauerlich, aber nachvollziehbar. Allzu lange haben die großen Kellereien ihre Kunden mit schlechtem Edelzwicker gelangweilt, haben sich von reifen Jahrgängen zu üppiger Süsse verführen lassen. Irgendwann waren die Weine von jenseits des Rheines nicht mehr die trockene Alternative zu den deutschen Süsslingen, sondern alkoholreicher, mächtiger und zuckriger als die Rieslinge oder Burgundersorten in Baden oder in der Pfalz; viele Konsumenten wandten sich ab.

Doch allmählich schärfen die Elsässer ihr Problembewusstsein, jedenfalls die engagierten, die mutigen und jene, die auch schon einmal durch die Welt reisen, um zu sehen, was anderswo gemacht wird – und wie. Immer mehr Winzer ernten ein bisschen früher und sorgfältiger, versuchen die Mostgewichte nicht auszureizen, wollen bei Riesling, Muscat und Pinot gris Frische erhalten. Dazu kommt das beachtlich hohe ökologische Bewusstsein: Fast 15 Prozent der Elsässer Rebfläche werden auf biologische oder biodynamische Weise beackert.

Crémant als Erfolgsgeschichte

Am deutlichsten wird der neue Stil der Elsässer Weine beim Crémant. Der verkauft sich auch in Deutschland ausgezeichnet, der ist auch anderswo beliebt und fast immer erfreulich niedrig dosiert. Nicht nur die Standardcuvées haben sich etabliert, oft aus Chardonnay und Pinot blanc gekeltert, sondern auch pure Rieslinge, spannende Prestige Cuvées mit 36 oder mehr Monaten Hefelagerung oder Schaumweine, bei deren Produktion völlig auf den Zusatz von Versanddosage oder Schwefel verzichtet wird. Der Wille zum Ausprobieren ist vorhanden, nicht nur bei Spezialisten fürs Extreme wie der Domaine Binner in Ammerschwihr.

Traminer oder Gewürztraminer?

Vorhanden ist er auch beim Gewürztraminer, einem der Elsässer Klassiker, dessen Zukunft mal deutlich weniger rosig schien, als es seine Beerenfarbe andeutet. Die nach Rosen, Lychees und reifen Nektarinen duftenden Weine firmierten unlängst noch als großmütterlich-liebliches Auslaufmodell, nicht wirklich für die heutigen Zeiten gemacht. Und es stimmt ja auch noch ein bisschen: Der wirklich trockene Gewürztraminer ist eine Ausnahme, die meisten Elsässer Produzenten lassen sich nicht dazu überreden, Gewürztraminer ganz ohne Restzucker zu vinifizieren. Wo aber die Balance vorhanden ist, bei Éric Rominger in Westhalten oder im geschwisterlich geführten Weingut Jean Becker in Zellenberg, entstehen enorm würzige, nur zart süsse und dennoch animierende Weine.

Zugreifen sollte man auch, wenn es sich um eine weniger würzige Ausprägung des Gewürztraminers handelt, wie er lediglich im Dorf Heiligenstein und in ein paar Lagen drumherum angebaut werden darf. Der Klevener de Heiligenstein ist eigentlich der im Jura geschätzte Savagnin Rose, präsentiert sich weniger duftig als der Gewürztraminer, besitzt aber dennoch sehr eigenen Charakter. Ihn nicht auszuprobieren, wäre für alle Neuentdecker des Elsass ein großer Fehler.

Empfehlenswerte Elsässer Erzeuger

Domaine Agapé (großartige Grand-Cru-Rieslinge!)
10, rue des Tuileries, F-68340 Riquewihr 
Tel. +33 389 47 94 23 
www.alsace-agape.fr 
domaine.agape@orange.fr

Jean Becker (feiner Muscat und vieles mehr)
4, route d’Ostheim, F-68340 Zellenberg 
Tel. +33 389 47 90 16 
www.vinsbecker.com
vinsbecker@aol.com

Domaine Binner (Experimente …)
2, rue des Romains, F-68770 Ammerschwihr 
Tel. +33 389 78 23 20
www.alsace-binner.com 
a-la-tienne@alsace-binner.com

Domaine Éric Rominger (wunderbarer Sylvaner, toller Gewürztraminer)
16, rue Saint-Blaise, F-68250 Westhalten
Tel. +33 389 47 68 60 
www.domainerominger.fr 
vins-rominger.eric@orange.fr

Domaine Jean et Hubert Heywang (natürlich der Klevener de Heiligenstein)
7, rue Principale, F-67140 Heiligenstein 
Tel. +33 388 08 91 41
www.heywang-vins.fr  
heywang.vins@wanadoo.fr

Domaine Jean-Paul Schmitt (Crémant der Spitzenklasse!)
Hühnelmühle, F-67750 Scherwiller
Tel. +33 388 82 34 74
www.vins-schmitt.com
vins-schmitt@orange.fr

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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