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Dieter Meier – Ein Genussleben im Portrait

Dieter Meier – Ein Genussleben im Portrait
Copyright Dieter Meier

Das Wort Multitalent lehnt er ab. Dennoch scheint Dieter Meier ein Talent in vielen Dingen zu haben. Er ist Künstler, Buchautor, Gourmet, Weltenbummler, Sportler – und seit einigen Jahren zudem in Personalunion auch Winzer, Önologe, Rinderzüchter und Restaurantbesitzer. Dennoch sagt er über sich selbst: „Ich bin kein fleissiger Mensch; verbringe viel Zeit im Nichts.“

„Geniessen kann nur, wer versteht und erkennt.“

„Ich musste mich einfach damit abfinden, dass ich wie ein Kind an verschiedensten Dingen interessiert bin und sie auch betreibe“, sagt der gebürtige Schweizer Dieter Meier. „Fast alles davon entsteht im Dialog mit Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet.“

So begann auch 1995 eines seiner Lebenskapitel. Eines, das ihn weltberühmt machte. Denn er ist die Stimme des berühmten Pop-Duos Yello. Bereits zwei Jahre zuvor legte Dieter Meier den Grundstein für das Kapitel, das heute in seinem Leben geschrieben wird: 1993 besuchte er das erste Mal Argentinien und die sogenannten Estancias (z.dt. Gutsbetriebe). „Ich war fasziniert von der Weite, der Fruchtbarkeit des Landes und den Möglichkeiten durch die verschiedenen Klimazonen.“

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Es dauerte jedoch noch eine Weile bis die Überlegungen mit den Experten auf fruchtbaren Boden fiel. Dann war der Grundstein gelegt, und heute besitzt der Autodidakt fünf Farmen und einen Weinberg in Argentinien – alle im biologischen Anbau. „Gerade dabei spielt der richtige Standort für das richtige Produkt eine viel wichtigere Rolle als beim konventionellen Anbau. Dieser ist eine Vergewaltigung der Natur, mit nicht abzusehenden Folgen“, meint der Landwirt.

„Biologischer Anbau dagegen ist ein Dialog mit der Natur.“ Es dauere Jahre und Jahrzehnte bis man die Böden in eine gute synergetische Immunsituation gebracht, man immer weniger Schädlinge und Unkraut habe und in der perfekten Balance zwischen Viehzucht und Ackerbau sei.

Sein Traum von Argentinien

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Dieter Meier in den Weinreben seines Weinguts

Mittlerweile trägt das Land Früchte. „Argentinien hat dank seiner geografischen Lage alle Klimata und Zusammensetzungen von Erde, die es möglich machen, vernünftig biologisch anzubauen.“

Die Rinder weiden zwölf Monate im Freien und fressen ausschliesslich Gras. „Das Fleisch ist aromatisch, gesund und hat eine völlig andere Cholesterinstruktur als selbst europäisches Bio-Fleisch. In Europa wäre es gar nicht möglich, so konsequent bio zu sein“, gibt Meier zu bedenken.

Schliesslich könne man hier nicht gänzlich auf Futtermittel verzichten. Auch im Weinbau setzt Meier konsequent auf umweltbewussten Anbau. Die Böden seines Weinguts in Mendoza sind mineralisiert, in Jahrmillionen aus den Anden angeschwemmt.

Hier gibt es während der fünf Monate Reifezeit der Trauben keinen Niederschlag, somit auch keinen Pilzbefall, kein Unkraut und keine Schädlinge. „Wir können dort ohne Abstriche an die Qualität biologisch arbeiten, und die Trauben erst ernten, wenn sie den perfekten Reifegrad und ihre volle Frucht entwickelt haben. 80 Prozent der Weinproduktion findet bereits im Weinberg statt.“ Das Traubengut wird dann in einer Kellerei vinifiziert, die nach dem letzten Wissensstand der Önologie ausgerüstet ist. „Bei diesem Zusammenspiel aus hochwertiger Traube und Technik muss man sich schon sehr ungeschickt anstellen, um keinen Top-Wein zu keltern.“

Seine Vision vom Wein

„Ich halte nichts von dieser intensiven Verwendung von Holz, die viele Konsumenten fälschlicherweise für ein Qualitätssymbol halten.“

Doch was reizt den Weltenbummler, der zwischen den USA, Argentinien und Europa pendelt, an der Landwirtschaft? „Ich hatte schon als kleiner Junge eine Affinität zu Bauernhöfen und zu meinem eigenen Land fast ein sentimentales Verhältnis.“ Er überlegt einen Moment und lässt die Gedanken gen Argentinien schweifen. „In der Landwirtschaft stellt man Überlegungen an und binnen kürzester Zeit erhält man eine Antwort. Im Weinbau lernt man so viel über die ideale Reduktion im Weinberg, über die Beeren, die verschiedenen Aromen für ein homogenes Produkt, den Ausbau, über Eichenfässer und schlussendlich lernt man die Märkte kennen, auf denen die Weine bestand haben sollen.“

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„Doch wie muss ein guter Wein sein?“, sinniert der passionierte Weinliebhaber. „Da gibt es 100.000 verschiedene Arten. Das ist wie bei Kunst. Wenn mich jemand fragen würde: ‚Wie muss ein gutes Bild aussehen?‘ Ich kann es nicht sagen. Aber ich bin der Meinung, dass ein Wein eine lokale Identität haben sollte – und ich halte nichts von dieser intensiven Verwendung von Holz, die viele Konsumenten fälschlicherweise für ein Qualitätssymbol halten.“

So sind seine Weine der Linien Ojo de Agua und Puro, die in Europa grosse Erfolge feiern, frisch in der Frucht und haben trotzdem eine gute Struktur. „Es sind sehr kräftige Weine, mit viel Körper, aber dennoch verständlich, so dass sie sich auch dem Laien in ihrer Qualität erschliessen.“

Ein Leben voller Fülle

Rückblick in andere Kapitel. Dieter Meier war ein junger, aufstrebender Künstler, ehe er sich 1976 dem „Kunstrennen“ entzog. Gemeinsam mit Boris Blank gründete er 1979 Yello. Die beiden gelten seitdem als Pioniere der elektronischen Popmusik. Künstlerische Arbeit begleitet ihn als Autor von Drehbüchern, einem Kinderbuch und aktuell bei seiner Biografie „Out of chaos“, in der Fotografie und Musik täglich. Er ist ehemaliger Golf-Nationalspieler, Vater von vier Kindern und Geschäftsmann mit den verschiedensten Firmenbeteiligungen.

Zudem ist der Sohn eines Bankiers Inhaber des Restaurants Bärengasse und eines Feinkostgeschäfts in Zürich sowie zweier Lokalitäten in Frankfurt und Berlin. Und Landwirt. Hatte er bei all diesen Projekten nie Angst zu scheitern? „Nicht wirklich. Scheitern ist etwas Wunderbares, weil man mehr als aus dem sogenannten Gelingen lernt. Beim Gelingen habe ich es nicht gemacht, sondern es ist entstanden. Gerade die biologische Landwirtschaft ist so ein Lernprozess, bei dem man immer wieder mit Überraschungen konfrontiert wird. Aber das gehört dazu. Das ist Leben“, sagt er leichthin.

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Schliesslich sei er in erster Linie Geniesser. „Und Genuss ist Arbeit. Wenn ich ein Selbstportrait von Rembrandt ansehe, dann lerne ich auch etwas über mich – und das ist Arbeit. Das gilt auch für ein Streichquartett von Beethoven genauso wie für Wein. Denn geniessen kann nur, wer versteht und erkennt.“

Weitere Informationen unter www.ojodeagua.ch

Über die Autorin

Es gibt sie ganz selten. Doch Anja Hanke hat das grosse Glück zu ihnen zu gehören: Den Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

Sie liebt gutes Essen, handgefertigte Weine, erlesene Produkte und diese Verbindung an den verschiedensten Orten dieser Welt einzufangen – und für ihre Leser genussvoll aufzubereiten.

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