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China & Champagner – Die ProWein 2016

China & Champagner – Die ProWein 2016
Copyright Messe Düsseldorf / ctillmann

Auf der Düsseldorfer ProWein treffen sich nicht nur die Händler, Journalisten und Sommeliers aus aller Welt, hier werden auch die Trends von morgen sichtbar. Wer Schaumwein produziert, liegt offenbar nicht falsch, doch auch ökologischer Weinbau boomt. Sogar die ganz anderen Getränke machen auf der weltweit wichtigsten Weinmesse von sich reden.

Ganz, ganz früher war die ProWein noch eine sehr gemütliche Verkostungsrunde. Aussteller und Besucher passten bequem in einen Konferenzsaal, in der Mitte stand für alle ein Käsebuffet bereit. Damals war die Messe noch exklusiv den französischen Weinen vorbehalten und nannte sich ProVin, man kannte sich und war nach spätestens vier oder fünf Stunden durch.

Heute wäre man auch nach drei Wochen nicht fertig mit dem Probieren von Wein und dem Entdecken neuer und alter Erzeuger. Sie wird nämlich immer umfangreicher, die längst bedeutendste Weinmesse des bekannten Universums, und sie beginnt lange vor der offiziellen Eröffnung am ProWein-Sonntag.

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Aufmerksamkeit bekommen seit einigen Jahren immer deutlicher die Veranstaltungen ausserhalb des Messegeländes, die Degustationen in eleganten Düsseldorfer Restaurants oder auf 168 Metern Höhe im Fernsehturm.

Champagner stand dort im letzten Jahr erstmals auf dem Programm, und auch dieses Mal hatten sich fast 200 Besucher angemeldet, um die Erzeugnisse von Éric Rodez aus Ambonnay und anderer Spezialisten zu kosten; man fragte sich allein, wie sich ein grosses Haus wie Roederer, das unzweifelhaft erstklassige Weine produziert, neben all die kleinen, ambitionierten Produzenten verirren konnte.

Neues aus der ganz neuen Welt

Champagner spielte auch anderswo eine Rolle. Eine ganze ProWein-Lounge ist seit ein paar Jahren dem französischen Schaumwein gewidmet, und wer am späten Nachmittag die zur Berichterstattung angereisten Journalisten sucht, trifft sie eher dort als im Pressezentrum.

Wenn man dazu noch die stets bis zum Bersten nachgefragten Champagnerverkostungen der Fachverlage dazurechnet, kommt man zum Schluss, dass die Zukunft den perlenden Wein-Varianten gehört. Übrigens nicht nur denen aus Reims und Umgebung, sondern auch jenen von der Mosel. Thorsten Melsheimer vom Reiler Weingut Melsheimer hatte spannende, sehr animierende Sekte mitgebracht – ganz ohne die bei deutschen Pricklern manchmal mühselig hohe Dosage.

China - ernstzunehmender Weinproduzent
China – ernstzunehmender Weinproduzent

Jenseits der klassischen Anbauländer Deutschland, Frankreich oder Italien machten auch die Überseegebiete von sich reden. Sogar eines, von dem die Europäer mit unangebrachter Hochmut kaum je reden.

China präsentierte kraftvolle Rotweine und interessante Süssweine, bei deren Erzeugung offenbar deutsche und französische Versionen Pate gestanden hatten.

Dass die degustierten Asien-Eisweine mit den allerbesten deutschen Abfüllungen gleichen Namens mithalten konnten, würde wohl niemand behaupten – doch technisch einwandfrei gemacht und wunderschön saftig waren sie allemal.

China solle als Weinproduzent ernst genommen werden. Und Japan? Der asiatische Inselstaat war mit Sake präsent und das markanter als im vergangenen Jahr.

Nicht zufällig, denn der Reiswein, um den japanische Gourmets ähnlichen Wirbel veranstalten wie die europäischen um ihren Traubenwein, hat zunehmend Liebhaber.

In den angesagtesten deutschen Restaurants findet man ihn inzwischen fast regelmässig, nicht als Konkurrenz, eher als Ergänzung zu Riesling & Merlot. Und wenn wir schon mal bei den Spezialgetränken sind: Auch aus anderen Früchten als Trauben lassen sich Weine keltern, von Spirituosen gar nicht zu reden.

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Und was den Gin angeht: Zwar steigt auch die Nachfrage nach Sherry, doch wollten am Stand von González Byass spätestens ab 18 Uhr alle nur noch den berühmten blauen Gewürzschnaps des spanischen Hauses trinken, verfeinert um Eiswürfel und Tonic. Die ProWein ist eben auch eine gesellige Angelegenheit, ein Branchentreffen unter Freunden.

Präsentationen ohne Ende

Bioweine boomen und sind sehr gefragt auf der ProWein 2016
Bioweine boomen und sind sehr gefragt auf der ProWein 2016

Über Brände und Wein konnte man Informatives nicht nur schmecken, sondern auch hören.

Im Halbstunden-Takt wurde getalkt und degustiert, was das Zeug hielt, Sommeliers präsentierten Gewürztraminer, Journalisten plauderten mit Winzern über die Unterschieden zwischen Silvaner und Riesling, Experten gaben Anweisungen, wie mit Pipetten Rotweingrundweine zur fertigen Cuvée zusammenzufügen seien.

Wer die Zeit aufbrachte, mehrere Präsentationen am Stück zu besuchen, konnte man sich allerdings schon fragen, denn auch ohne andächtiges Zuhören kamen die Profis kaum durch mit der Registrierung von Neuem und der Überprüfung des Alten.

Neu war bei der ProWein 2016 übrigens auch ein Gemeinschaftsstand der verschiedenen Bioverbände.

Demeter, Bioland und Ecovin zeigten sich und ihre Mitglieder in trauter Einigkeit; das Ergebnis war so erfolgreich, dass schon lange vor Ende des ersten ProWein-Tages das Öko-Catering leergegessen war; zu den Trends der diesjährigen Weinmesse par excellence gehört also unzweifelhaft der Bioweinbau.

Gutes Essen hingegen nur teilweise: Die Mahlzeiten im Journalistenbereich waren so miserabel wie schon seit vielen Jahren. Altgediente Reporter erinnern sich noch sehnsüchtig an die prall gefüllten Käseplatten von einst zurück.

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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