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Berühmte Weinlagen – Taita Plot, Marchigüe

Berühmte Weinlagen – Taita Plot, Marchigüe
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Grosse Weine stammen oft von grossen Terroirs, die bekanntesten häufig von spektakulären. Ob man den Taita auch von einem anderen Boden in ähnlicher Klasse erzeugen könnte, muss offenbleiben: In jedem Fall kann man zum neuen Icon Wine der Familie Montes eine schöne Geschichte erzählen.

Es war, nach allem, was die Welt über diesen Wein weiss, ein reiner Zufall. Ohne die Beobachtung aus der Luft wäre jene besondere Gesteinsformation im chilenischen Colchagua Valley unentdeckt geblieben. Doch Aurelio Montes erinnert sich noch an den Überflug in der eigenen Maschine und dass er plötzlich runde Steine sah, solche, die üblicherweise in Flussbetten zu finden sind.

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«Aber da war kein Fluss», staunte der Chef der Kellerei Montes – weit und breit nicht. Eine schöne Geschichte. Montes weiss genau, dass Marketing wichtig ist, dass grosse Weine spannende Storys benötigen. Vielleicht war die Entdeckung dieser bestimmten Parzelle im Marchigüe Vineyard in Wirklichkeit viel profaner.

Doch fest steht, dass dem Winzer die Sache keine Ruhe liess. Er dachte nach und beauftragte schliesslich den Agronomen und Terroir-Experten Pedro Parra, die etwa drei Hektar grosse Merkwürdigkeit, etwa 25 Kilometer vom Pazifik entfernt, genauer zu untersuchen.

Vom Gletscher zum Weinberg

Der Grossteil des Taita besteht aus Cabernet Sauvignon
Der Grossteil des Taita besteht aus Cabernet Sauvignon

Parra liess sich nicht lange bitte und nahm Untersuchungen vor, verglich die Proben mit den Erkenntnissen der Geologie Südamerikas, entdeckte schliesslich die Ursache der runden Steine. Ein Gletscher muss hier, vor rund 120.000 Jahren, die Landschaft verändert haben; an seinem Ende lagerte sich, nach dem Schmelzen der Eismassen, Geröll ab.

Weil der Gletscher Steine von weit entfernt mit sich transportiert hatte, weil er vorhandene Materialen aufgewühlt und umgelagert hatte, findet man sehr unterschiedliche Bodenstrukturen: Granitverwitterung beispielsweise, oder Lehm.

2003 wurden die ersten Reben gepflanzt und das in einem Sektor, der nicht automatisch für Weinbau prädestiniert war. Die Geröllmassen machten das Setzen der Pflanzen zur Schwerstarbeit, die Kosten schossen in die Höhe. Cabernet Sauvignon und Carmenère wuchsen bald, nicht untypisch für Chile, aber auch Syrah, Tannat und Tempranillo, was die Grenzen schon mal ein bisschen sprengte.

Vollends beiseite geschoben wurden sie mit der Entscheidung, auf Bewässerung zu verzichten – was sich hier vor allem deshalb anbot, weil die Wasserversorgung mangels vorhandener Flüsse in der Nähe ohnehin schwierig war, weil die Region aber auch vergleichsweise kühl ist. Um das wenige vorhandene Wasser zu sparen, reduzierte man die Höhe der Rebstöcke, bedeckte die Böden zwischen den Reihen, um Verdunstung zu vermeiden.

«Die Trauben werden nur klein», erläutert Aurelio Montes. Sie sind allerdings auch dickschalig, und die Erträge schwanken deutlich. Während man von bewässerten Weinbergen gut und gern zehn Tonnen Trauben pro Hektar ernten kann, sind es auf unbewässerten im Marchigüe nur sechs Tonnen, im Falle des Taita nochmals deutlich weniger.

2007 wurde der erste offiziell für die Vermarktung vorgesehene Wein in Barriques aus französischer Eiche gefüllt, auch 2009 und 2010 wurde Taita produziert.

Weisheit in Flaschen?

Das Ergebnis ist konzentriert, wie es konzentrierter kaum sein könnte – aber erstaunlicherweise kein bisschen anstrengend. 24 Monate Ausbau in neuen Holzfässern gehören zum Standard jenes Weines, dessen Name in Chile gleichzeitig soviel wie Weisheit und Grossvater bedeutet. Der Grossteil dieser dunklen Attraktion besteht aus Cabernet Sauvignon, der Rest wird geheim gehalten.

Ob mehr Carmenère oder Tempranillo drin ist, Syrah oder Tannat, behält die Familie Montes für sich. «Secret choice», heisst es lediglich, wenn man genauer nachfragt. Ein ausgezeichneter, in diesem Falle leider auch sehr teurer Wein verkauft sich vermutlich ein bisschen besser, wenn er nicht nur eine gute Geschichte, sondern auch ein paar Geheimnisse birgt.

Weine aus dem Marchigüe Vineyard

2007 Taita: präsente, warme, aber nicht überreife Noten von Blau- und Brombeeren, Schokolade, leicht rauchig, später auch Trüffel und Holzwürze. Saftig, dicht, fest mit deutlichem Alkohol, nur ganz leicht trocknend, mundfüllend und lang. 92 Punkte

2009 Taita: präsente, fast üppige Frucht, Blaubeeren, Schokolade, Lakritz, später auch Brombeeren und schwarze Kirschen. Fest mit schöner Würze und frisch wirkender Säure, feste Tannine, saftig, gut integrierter Alkohol. 95 Punkte

2010 Taita: jugendliche Frucht, wirkt noch unentwickelt mit leicht cremig wirkenden Akzenten, Cassis, Brombeeren, Hauch Lakritz und Schokolade. Fest, saftig, mit massiver Frucht. Sollte noch eine Weile reifen. 93+ Punkte

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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