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Berühmte Weinlagen – Kiedricher Gräfenberg

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Copyright Weingut Robert Weil

Sie gehört zu den bekanntesten Weinlagen Deutschlands, war schon vor 130 Jahren ein Begriff bei Fürsten und Industriellen. Der Kiedricher Gräfenberg wurde vor allem durch das Weingut Weil berühmt und liefert Jahr für Jahr Material für einige der hochwertigsten Rieslinge der Welt. Wirklich unerschwinglich sind diese Rheingauer Topweine zum Glück nur selten.

Um die Zukunft macht sich Wilhelm Weil keine Sorgen. Selbst wenn der Klimawandel dazu führe, dass es in der Rheingauer Ebene zu warm für Riesling werde, könne man immer noch in die Höhe ausweichen. Doch für die nächsten Jahre scheint noch alles im grünen Bereich, warmen, trockenen Sommern wie 2015 zum Trotz.

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Schliesslich bietet der rund elf Hektare grosse Gräfenberg alles, was eine Spitzenlage ausmacht. Er besitzt eine gute Hangneigung, kombiniert diese mit einer gewissen Höhe (zwischen 150 und etwas mehr als 200 Metern über dem Meeresspiegel), verfügt über eine beachtliche Wasserversorgung und – in feuchten Perioden unverzichtbar – eine ausgezeichnete Belüftung.

Staunässe und andere Probleme, wie sie in der einen oder anderen Rheingauer Lage nahe dem Fluss vorkommen können, verursachen den Gräfenberg-Besitzern keine Sorgen. Obwohl das Weingut Weil den Löwenanteil sein eigen nennt, verfügen noch zwei andere Weingüter über Parzellen: Die Rieslinge von Speicher-Schuth und Sohlbach sollte man bei allem Weil-Jubel nicht vergessen.

Berühmt seit 1867

Der Gräfenberg im Rheingau
Der Gräfenberg im Rheingau

Als der Deutschprofessor und Journalist Robert Weil ab 1867 Parzellen im Kiedricher Berg kaufte, muss die Lage schon überdurchschnittlich bekannt gewesen sein. Schliesslich war sie bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt worden, wurde auch schon zu Zeiten Napoleons als prachtvoller Hang geschätzt – zumindest in den wärmeren Jahren.

Doch ab 1867 ging es steil aufwärts: Der Autor Friedrich Wilhelm Dünkelberg stufte den Gräfenberg in seinem damals erschienenen Werk als eine der wenigen «Lagen erster Klasse» ein, bald darauf wurde eine der qualitativ besten Ernten des 20. Jahrhunderts eingebracht: Der 1868er setzte für lange Zeit Massstäbe.

Als sich Robert Weil im Rheingau niederliess, 1879, war die Zeit reif für deutschen Riesling, vor allem jenen von Rhein und Mosel. Mit dem legendären 1893er, der für grandiose Süssweine sorgte, steig der Gräfenberg endgültig zu einer der besten Herkünfte für deutschen Riesling auf, erreichte nicht selten die höchsten Preise im ganzen Rheingau.

Auch wenn Trockenbeerenauslesen besonderes Renommee besassen, waren die leicht süssen oder die weitgehend trockenen Weine ebenfalls gefragt, landeten auf den Weinkarten der deutschen und europäischen Topgastronomie – und beim Kaiser. Seine Majestät, Wilhelm II. hegte ein Faible für Gräfenberg-Riesling, frass einen Narren am 1893er, später am 1911er.

Vom Ersten zum Grossen Gewächs

Wein vom Kiedricher Berg
Wein vom Kiedricher Berg

Ein inoffizielles «Erstes Gewächs» war der Gräfenberg-Wein also schon lange, bevor diese Weinkategorie 1999 eingeführt wurde im Rheingau, bald darauf wurde auf den Begriff «Grosses Gewächs» umgestellt.

Preise und Ansehen haben zumindest bei den edelsüssen Weinen fast wieder jenes Niveau erreicht, das sie vor dem Ersten Weltkrieg schon einmal besassen.

Und die besten trockenen Weine aus dem Gräfenberg? Die sind noch immer ausgesprochen günstig, vergleicht man ihren Preis mit dem der berühmtesten weissen Burgunde.

Zu denen nämlich können die besten Rieslinge dieser Lage ohne Zweifel aufschliessen. Und das – anders als vor mehr als 100 Jahren – fast in jedem Herbst!

Weine aus dem Kiedricher Gräfenberg

2015 Riesling Grosses Gewächs, Weingut Weil: sehr klarer Duft nach Kräutern, Zitrus, frischen Aprikosen. Kraftvoller, saftiger Wein mit Struktur, geradlinig, mineralisch und lang, braucht noch Zeit. 93 Punkte

2015 Riesling Auslese Goldkapsel (Versteigerungswein), Weingut Weil: attraktive Nase, frische Früchte, nur ganz leicht cremig. Saftiger, rassiger Wein mit gut eingebundener Süsse, enorm vielschichtig, sehr lang. 95 Punkte

2014 Riesling Grosses Gewächs, Weingut Weil: duftiger Wein, Zitrus und Kräuter, wirkt im Moment sehr präsent, straff, würzig, angenehm trocken mit griffigem Nachhall. 94 Punkte

2014 Riesling Spätlese, Weingut Speicher-Schuth: reife, saftige Frucht, reifes Steinobst, süsse Pfirsiche, etwas Zitrus. Saftiger, kraftvoller Wein mit deutlicher Süsse, schon fast ein Auslesecharakter. 90 Punkte

2010 Riesling Trockenbeerenauslese, Weingut Weil: blitzsaubere Frucht, Steinobst, reife Zitrusnoten, saftig, süß, mit enormer, balancierende Säure, lang und ausserordentlich präzise. 98 Punkte

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2003 Riesling Erstes Gewächs, Weingut Weil: feine Frucht, Anklänge an gereifte Zitrusfrüchte und Kräuter. Saftiger, recht fülliger Wein mit Noten von eingemachten Zitronen, erstaunlich lang und fest, noch längst nicht am Ende, Hauch Süsse im Nachhall. 91 Punkte

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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