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Berühmte Weinlagen – Block 5 & 6, Coonawarra

Berühmte Weinlagen – Block 5 & 6, Coonawarra
Copyright Wolfgang Faßbender

Auch die australischen Winzer schätzen das Terroirprinzip. Sie denken einfach in grösseren Dimensionen, als die an kleine Flächen gewohnten Europäer und lassen Traubensaft ohne mit der Wimper zu zucken über tausende Meilen transportieren. Lagen mit herausragendem Potenzial werden allerdings gern besonders gewürdigt.

Coonawarra ist anders. Die grosse, weite Welt Australiens wird winzig, wenn man am Flughafen von Mount Gambier steht und vergeblich Ausschau hält nach einer Sicherheitskontrolle. Reisende, die nach Adelaide, Melbourne oder Sydney wollen, gehen einfach aus der Tür der winzigen Wartehalle aufs Rollfeld, ein Beamter hakt die Namen ab.

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So ähnlich muss man geflogen sein in Zeiten, in denen unsere Grosseltern den neu aufkommenden Luftverkehr bestaunten, als man von Terror und Flugzeugentführungen noch nichts ahnte. Von Mount Gambier kann man direkt ans Meer fahren oder sich zwecks Weinverkostung einige Meilen nach Norden bewegen. Das Städtchen Coonawarra ist nicht weit und ruhig dazu.

Der Bahnhof wurde längst stillgelegt, und wer gut essen will, sollte Proviant mitnehmen oder rechtzeitig vor Ladenschluss im Dorfladen vorbeischauen und hausgemachte Pasteten einpacken lassen. Keine touristische Gegend, aber eine, die bei den Winzern mehr geschätzt wird denn je.

Die Trauben reifen hier zwar aus, aber sie reifen langsamer, entwickeln nicht so viel Alkohol wie in anderen Teilen Australiens, bieten sich an, um zur Erzeugung feiner, würziger, eleganter Crus beizutragen. Die Kellerei Wynns ist zum Begriff geworden, was Rotweine der Oberklasse angeht, aber auch Penfolds profitiert von dem, was hier Jahr für Jahr gedeiht.

Alte Reben auf Terra Rossa

Die verschiedenen Gesteinsschichten
Die verschiedenen Gesteinsschichten

Das Beste vom Besten wächst vermutlich auf jenen beiden Weinbergen, die schon 1965 angelegt wurden – in den Blöcken 5 und 6 stehen Shiraz und Cabernet Sauvignon, und erst auf den zweiten Blick bemerkt man die Besonderheit.

Nahe der Strasse hat Stuart Sharman, der Manager vor Ort, eine Grube ausheben lassen. Man kann hineinklettern und die Bodenstruktur von unten bestaunen.

Eine klare Trennlinie existiert zwischen dem Kalkstein unten und der gut eineinhalb Meter dicken Terra-Rossa-Schicht oben. Die krümelige, des Eisengehalts wegen rötliche Erde kann aber das Wasser gut halten, versorgt die Reben auf beneidenswerte Weise mit Nährstoffen.

Ein Bodentyp, der in Coonawarra nur auf einem schmalen Streifen existiert. Zwar erkannte man schon vor mehr als 100 Jahren seine Bedeutung für den Obst- und Weinanbau, aber so richtig aufwärts ging es in Coonawarra erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Kühle Legenden

Heute erzeugt die Region Trauben, die australienweit geschätzt werden. Anders als im warmen Barossa Valley nahe Adelaide ist hier der Einfluss des eiskalten Südpazifiks noch deutlich zu spüren. Auch wenn in der Regel bewässert werden muss, wenn es auch in Coonawarra mal heiss und trocken wird, fallen Cabernet und Shiraz regelmässig feiner, eleganter aus als in anderen Teilen des Landes.

Ausdrucksstarke Weine Bin 707 und Bin 389
Ausdrucksstarke Weine Bin 707 und Bin 389

Man überlasse kaum etwas dem Zufall, erklärt Manager Sharman. Im Winter würden die Knospen unter dem Mikroskop untersucht, dann entscheide man, wie stark angeschnitten werden müsse. Ziel sei ein gleichmässiger Ertrag, der Eingang finde in eine Vielzahl von Penfolds-Weinen.

Nicht nur das, was in den Blöcken 5 und 6 gedeiht, kann sich mitunter im berühmten Grange wiederfinden, auch die anderen «Blocks» der Region liefern Prächtiges. Und sollte es nicht für den Vorzeigewein reichen, dann wohl für den ausdrucksstarken Cabernet namens Bin 707 oder den Cabernet-Shiraz Bin 389.

Wenn die versammelten Winemaker ihre jährlichen Tastings veranstalten, blind, versteht sich, rangieren Coonawarra-Proben oft ganz vorn. Und manchmal taucht der Name der Kleinstadt sogar auf dem Etikett auf. 1962 und 2004 war das der Fall, als der legendäre Bin 60A erzeugt wurde, oder 1966 und 2008, als man den Bin 620 komplett aus hiesigen Trauben kelterte.

Sehr selten werde dies gemacht, erzählt Stuart Sharman, nur wenn alles stimme. Die alten Coonawarra-Raritäten indes gelten mittlerweile als zwei der besten und gesuchtesten Weine, die je in Australien erzeugt werden; Sammler lassen in diesen Fällen sogar mehr Geld springen, als sie für den berühmten Grange zahlen müssten.

1975 Grange (damals noch als Grange Hermitage bezeichnet): Zunächst verhalten, dann eine warme, süsse Frucht, dunkle Beeren, sehr feine Holznote, etwas Unterholz, am Gaumen samtig und lang. 96 Punkte

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1988 Bin 707: Offene, reife Cabernet-Frucht mit Noten von Blaubeeren, Cassis und Zwetschgenkompott, etwas cremige Frucht, rauchige Noten. Ein kraftvoller, offener, aber nicht sättigender Wein, dürfte noch etliche Jahre Spass machen. 93 Punkte

Über den Autor

Wolfgang Faßbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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