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Berühmte Weinlagen – Banyalbufar auf Mallorca

Berühmte Weinlagen – Banyalbufar auf Mallorca
Copyright Wolfgang Fassbender

Mallorca kennt jeder, Palma ist auch den Mittelmeermuffeln ein Begriff, und von den namhaften Inselweingütern haben auch schon einige gehört. Doch die berühmteste Weinlage der Balearen ist nur ein Thema für Historiker oder jene Gourmets, die sich auf Entdeckungssuche in den Inselwesten begeben. Die Renaissance des Malvasía de Banyalbufar hat erst zaghaft begonnen.

Auf die Frage, wo man auf Mallorca Urlaub macht, geben die Menschen ebenso viele Antworten, wie es Hotels auf der Insel gibt. Einige bevorzugen die Bettenburgen im Osten, andere würden nie anderswo als in der Balearen-Hauptstadt Palma Halt machen, Dritte nehmen vom Flughafen aus schnurstracks den Mietwagen in den hohen Norden.

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Wer allerdings angibt, in den kleinen Fincas und Hotels im Tramuntana-Gebirge zu urlauben, gilt als Individualist. Und wer gar davon erzählt, dass er in Banyalbufar auf der Suche nach einer der berühmtesten Weinlagen Mallorcas ist, geht definitiv als Ausnahme, als Exot durch.

Traube mit Geschichte

Die Renaissance des Malvasía de Banyalbufar hat begonnen
Die Renaissance des Malvasía de Banyalbufar hat begonnen

Doch auch für die Neugierigsten ist es nicht so einfach, den legendären Wein von Banyalbufar ausfindig zu machen. Schliesslich war der fast ausgestorben, nachdem er während vieler Jahrhunderte eine Institution, beinah eine Legende war.

Selbstverständlich wurde der Malvasía de Banyalbufar am Hofe der Fürsten und Könige getrunken, wurde nach Madrid verschifft und auch im Rest Europas gern gesehen. Jedenfalls von jenen, die ihn sich leisten konnten, denn eine Flasche oder gar ein Fass Malvasier war teuer, galt nicht als Alltagsgetränk.

Dass die genaue Herkunft häufig nicht angegeben wurde, dass man sich mit der Aufschrift Malvasier begnügte, lag am Ruf dieser Rebsorte; ihr Name geht auf das Griechische zurück, sie wurde in unterschiedlichen Gegenden Europas angebaut, mutierte zur auch literarisch verewigten Legende. Kaum jemand ahnte damals, zur Hochzeit der süssen «Südweine» im 18. oder im 19. Jahrhundert, dass sich unter dem Begriff «Malvasía» ganz unterschiedliche Rebsorten verbargen.

Steile Terrassen, viel Arbeit

Steillagen erschweren die Arbeit am Weinberg
Steillagen erschweren die Arbeit am Weinberg

Die in Banyalbufar angebaute Variante des Malvasía ergab in der Regel üppige, aber vermutlich nicht aufdringliche Süssweine, die allerdings nicht mit Alkohol verstärkt wurden, wie es beim Port oder beim Sherry der Fall war und ist. Hohe Mostgewichte der überreif geernteten, häufig eingetrockneten Beeren ergaben Alkoholwerte, die am oberen Rande des Möglichen lagen: 14, 15, oder 16 Volumenprozent.

Dass man hin und wieder von angeblich natürlich erreichten 18, 19 oder 20 Prozenten liest, ist dagegen ein Missverständnis: So viel Alkohol ist mit wilden Hefen nicht zu bekommen. Haltbar waren die Weine aus dem mallorquinischen Inselosten gewiss, doch auf Dauer konnten sie nicht mit den grösseren Anbaugebieten in Andalusien, mit dem Madeira oder dem Commandaria Zyperns konkurrieren.

Spätestens nach dem Reblausbefall der europäischen Weinbauregionen Ende des 19. Jahrhunderts wurde es eng für die Spezialität, die in den zum Meer hin abfallenden Weinbergen erzeugt wurde. Der Malvasía de Banyalbufar starb aus, die Bewirtschaftung der Terrassenlagen wurde mangels Rentabilität aufgegeben, nur wenige Reben blieben übrig.

Renaissance ohne Eile

Erst Mitte der Neunziger beschlossen einige engagierte Mallorquiner, dass es so nicht weitergehen könne. Man gründete, unter Führung von Toni Mora, dem Bürgermeister des Ortes, die Cooperativa Malvasía de Banyalbufar und machte sich daran, die Terrassenlagen neu zu bepflanzen.

Kein einfaches Unterfangen, denn aus den noch verbliebenen Reben mussten die besten ausgewählt und vermehrt werden. Es dauerte Jahre, bis der erste Malvasía der neuen Generation auf den Markt kam, doch die Kooperative erwies sich als hartnäckig. Heute produziert sie nicht nur Süsswein aus der Malvasía-Traube, sondern auch trockenen Weisswein, entweder schlank und stahlig oder kraftvoll, im kleinen Holzfass gereift.

Sogar Rotwein aus anderen, teilweise orginal mallorquinischen, teilweise importierten Sorten hat man im Angebot. Man kann rote wie weisse Abfüllungen in einigen wenigen Restaurants der Insel bestellen oder direkt in Banyalbufar kaufen, sich bei dieser Gelegenheit über die Besonderheiten der Lage direkt am Meer informieren lassen.

Schnell wird klar, dass sich der Anbau im grossen Stil kaum rechnen kann, dass es darum aber gar nicht geht. Der Malvasía aus Banyalbufar soll kein Massenprodukt werden, sondern trinkbare Geschichte bleiben. Und ein weiterer Grund, den so herrlich rauen Westen Mallorcas zu besuchen.

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2008 Malvasía de Banyalbufar Cornet Dolc:
Duftig mit Anklängen an Blüten, Honig und Orangenschale. Seidige Süsse und leichte Cremigkeit, dazu eine feine Säure, sehr eleganter Süsswein, der recht hohe Alkohol ist gut eingebunden. 90 Punkte von 100.

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